Bakterielle Infektionen führen zu Herzinfarkt und Schlaganfall

Chlamydia pneumoniae und Helicobacter pylori

©Dr.Leman, GBU Hirschberg 2002

Eine Atherosklerose ("Arterienverkalkung"), also bestimmte Veränderungen der Arterienwände, führt zu einem hohen Risiko, einen Herz-Infarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. Viele Faktoren der Lebensführung (Fettaufnahme, körperliche Inaktivität, Diabetes, Bluthochdruck, Vitaminmangel) und angeborene Eigenschaften begünstigen die Entstehung der Atherosklerose.

Seit einigen Jahren besteht nun die Hypothese, daß Herzinfarkt und Schlaganfall häufig auch das Ergebnis chronisch-entzündlicher Vorgänge in den Blutgefäßen sein könnten, die Folge von Infektionen mit bestimmten Bakterien und Bakterien-ähnlichen Erregern sind.
In vielen Fällen wäre dann der Infarkt oder Schlag durch eine Vorbeugung dieser Infektionen, oder durch Behandlung der Infektion ( z.B. Antibiotika-Therapie o.ä.) vermeidbar. Diese Vermutung hat sich inzwischen zur Gewißheit verdichtet. Als Erreger kommen dabei nur einige wenige Arten in Frage, insbesondere Bakterien wie Chlamydia pneumoniae und Helicobacter pylori .

Infektionen mit diesen Erregern führen zu langanhaltenden mäßigen Entzündungen, die auf Dauer die Arterienwände schädigen.
Ob eine solche Infektion besteht oder schon einmal durchgemacht wurde, kann anhand einer einfachen Blutuntersuchung auf Chlamydien-AK und H.pylori-Antikörper im Serum leicht festgestellt werden.

Eine kürzlich vorgestellte Bostoner Studie ergab, daß gesund erscheinende Männer, die eine Chlamydien- oder H.pylori-Infektion durchgemacht hatten und an einer solchen "systemischen" Entzündung leiden, gefährdet sind, nach Jahren einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden.
Gemessen wird die systemische Entzündung an der Serum-Konzentration des C-reaktiven Proteins(CRP). Dieser Parameter ist also nicht nur ein Maß für die Höhe einer akuten Entzündung, sondern auch ein Risiko-Indikator für spätere Herz- und Hirninfarkte: je höher der CRP-Wert, desto größer das Infarkt-Risiko. Hohe Werte dürften nach Ansicht dieser Untersucher meist auf Infektionen zurückzuführen sein, die von der körpereigenen Abwehr nicht bewältigt werden konnten.

Bemerkenswert ist, daß die Relation zwischen CRP-Wert und Infarktrisiko unabhängig bleibt von eventuell vorhandenen anderen Risikofaktoren wie Rauchen, überhöhten Fettwerten, Blut-Hochdruck oder Diabetes mellitus.

Ferner zeigte die amerikanische Studie, daß Menschen mit hohen CRP-Werten bei einer Behandlung mit einem anti-entzündlichen Wirkstoff, speziell Acetylsalicylsäure (ASS) günstig beeeinflusst werden Dies um so mehr, je höher der anfängliche CRP-Wert im Serum ist.

Bei Männern mit höchsten CRP-Werten senkte die ASS-Behandlung das Risiko von Herzinfarkten um mehr als die Hälfte. Jedoch hatte die ASS-Behandlung bei Personen, die keine Zeichen systemischer Entzündung hatten (niedrige CRP-Werte), keinen Einfluß auf das Entstehen von Infarkten und Apoplex.

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Zuletzt überarbeitet am 9. Juli 2002