Freie Radikale und Antioxidantien - Ursache und Schlüssel zur Heilung vieler Krankheiten

©Dr.Leman, GBU Hirschberg 1998

Die Forschung auf dem Gebiet der sogenannten „freien Radikale“ und ihrer Gegenspieler, der „Antioxidantien“ hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu vielen neuen Erkenntnissen geführt, die geeignet sind, Diagnose und Behandlung einer Vielzahl chronischer Erkrankungen zu revolutionieren. Die komplexen physiologischen Abläufe im menschlichen Körper werden durch eine Vielzahl regulatorischer Mechanismen kontrolliert. Diesen Regelkreisen liegen biochemische Reaktionen zugrunde, letztlich also komplizierte chemische Reaktionen zwischen Molekülen wie Proteinen, Coenzymen, Kohlenhydraten, Fetten, Spurenelementen und Vitaminen. Viele dieser biochemischen Reaktionen dienen der Übertragung und Freisetzung von Energie und können zur Bildung sog. „freier Radikale“ führen. Freie Radikale sind instabile und hochreaktive Moleküle mit ungepaarten Elektronen, die sowohl für die normalen Zellfunktionen als auch als Waffe der Makrophagen zur Zerstörung von eingedrungenen Krankheitserregern und Fremdkörpern wichtig sind. Trotzdem muß die Konzentration freier Radikale im Körper streng kontrolliert werden, da ihre extreme Reaktivität auch eine potentielle Bedrohung für die eignenen, gesunden Zellen darstellt.
Der Körper besitzt ein eigenes antioxidatives System, das die Konzentrationen an freien Radikalen kontrolliert und Überschüsse durch Wegfangen der Radikale durch niedermolekulare Stoffe und durch Enzyme, meist Metallbindungsproteine, beseitigt. Wichtige Komponenten dieses antioxidativen Systems sind Antioxidantien wie Vitamin C und Vitamin E, Spurenelemente wie Selen und Nahrungsbestandteile wie das Carotin, die mit der Nahrung zugeführt werden müssen und sich verbrauchen. Bislang weitgehend unbekannt war z.B. die Rolle der Harnsäure in diesem System; jahrzehntelang wurde sie nur als Abfallprodukt des Zellstoffwechsels für Gichtschmerz und Nierensteine verantwortlich gemacht. Erst in den letzten Jahren entdecktem man ihre herausragende Rolle als körpereigenes Antoxidans. Doch die Belastung dieses Kontrollsystem wächst aufgrund zunehmend aus der verseuchten Umwelt auf uns einwirkender Chemikalien und Fremdstoffe. Schädigende Einflüsse wie UV-Licht, Strahlenbelastung und Carcinogene (z.B.aus dem Tabakrauch ) führen grundsätzlich zu einer Überproduktion an freien Radikalen.
Sobald die körpereigenen Antioxidantien die Konzentration an freien Radikalen nicht mehr hinreichend kontrollieren können, kann dies auf zellulärer Ebene zu erheblichen Schäden führen. Die Regenerationsfähigkeit des Antioxidantiven Systems nimmt mit zunehmendem Alter ab, und damit erhöht sich beim älteren Menschen auch die Gefahr eines Angriffs freier Radikale auf das körpereigene Gewebe.
Freie Radikale zirkulieren im Blutplasma und gelangen damit zu allen Organen und Geweben. Sie greifen die Zelloberflächen an und lösen dort verschiedene Kettenreaktionen aus, die wiederum schwerwiegende Auswirkungen auf Organfunktionen und damit dann im ganzen Körper hervorrufen können. Diese Auswirkungen werden dann vom Menschen als „Krankheit“ empfunden.
Die klinische Behandlung vieler Krankheiten beschränkte sich bisher in der Regel vorwiegend auf die Wiederherstellung der physiologischen Organfunktion und die Linderung der Symptome. Die Beseitigung einer bisher unbekannten Krankheitsursache - die freien Radikale- war aber natürlich unmöglich. Zum Beispiel ist seit langem bekannt, daß ein erhöhter Cholesterinspiegel im Blut Herzkrankheiten und Schlaganfall hervorruft, da er für atherosklerotische Läsionen der Gefäßwände mitverantwortlich ist
Aber Cholesterin ist auch ein wichtiger Bestandteil des Blutes, da es z.B. für die Bildung der Zellwände benötigt wird und an der Synthese einer Reihe von Hormonen beteiligt ist. Bestimmte Cholesterin-Eiweiß-Verbindungen, das wissen wir erst seit ganz wenigen Jahren, bedeuten nur dann eine Gefahr, wenn sie durch freie Radikale oder bestimmte reaktive Sauerstoffspezies oxidiert werden.

So werden gegenwärtig bei der konservativen Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen nur die Cholesterin- oder LDL-Werte berücksichtigt, die u.U. erhebliche Akkumulation von freien Radikalen im Blutkreislauf aber, die die Wurzel des Problems darstellen könnte, ignoriert.
Bei Diabetes (Typ 1 und Typ 2) wurden besonders Erniedrigungen der enzymatischen Aktivtäten von Glutathionperoxidase und Superoxiddismutase gefunden.
Auch bei Operationen und nach ungewollten Verletzungen sinkt die Antioxidative Kapazität des Körpers auf ein Minimum ab, da große Eingriffe in das Gefäßsystem zu einem enormen Verbrauch der Antioxidantien führen. Eine ähnliche Situation besteht auch in der Krebsbehandlung, bei der toxische Medikamente zur Abtötung von Krebszellen eingesetzt werden. Das unkontrollierbare Wachstum und die Ausbreitung dieser Zellen jedoch wird durch DNA ausgelöst, die z.B. durch freie Radikale geschädigt wurde und dadurch die Wachstums-Kontrollmechanismen stört.
Auch viele chronisch entzündliche Krankheiten z.B. des rheumatischen Formenkreises werden zu Recht mit erhöhten Konzentrationen an freien Radikalen im Körper in Verbindung gebracht, die das Immunsystem überstimulieren und dadurch weitreichende Auswirkungen auf Körpergewebe haben können.

Viele Studien, unter anderen auch des mehrfachen Nobelpreisträgers Linus Pauling, haben gezeigt, daß die Gabe von Antioxidantien oder ihre konsequnte Anreicherung in der Nahrung das Auftreten bestimmter Krankheiten vermindert, und daß die Aufrechterhaltung optimaler Konzentrationen an Antioxidantien die Prognose verbessern kann. Die Therapie mit Antioxidantien kann eine effektive Verbesserung des Krankheitsverlaufs bewirken und dazu beitragen, die Nebenwirkungen konservativer Behandlungsmethoden zu reduzieren.

Die Messung der Konzentration an Antioxidantien im Körper ist ein nützliches Hilfsmittel in der Diagnose und Behandlung verschiedener Krankheiten. Es sind gegenwärtig eine Reihe diagnostischer Tests zur Bestimmung aller Komponenten des Antioxidantiensystems, das Enzyme (z.B. Superoxid-Dismutase, Glutathion-Peroxidase und Glutathion-Reduktase), Metallbindungsproteine (z.B. Transferrin, Ferritin und Coeruloplasmin) und andere (u.a. Selen, Albumin, Harnsäure, und die Vitamine A, C und E) umfaßt, verfügbar. Der Schutz durch Antioxidantien, der von den unterschiedlichen Komponenten des integrierten Systems geleistet wird, kann durch den Total Antioxidant Status (TAS), als Gesamtwert gemessen werden. Bestimmung dieses Parameters gibt einen Hinweis über den aktiven Schutz im Körper und könnte ein umfassendes (one-for-all) diagnostisches Hilfsmittel in der Krankheitsermittlung sein.

Der Angriff freier Radikale auf Körpergewebe wurde als allgemeine Ursache einer Reihe chronischer und akuter Erkrankungen beschrieben. Daher sollte jeder in Diagnose und Therapie tätige Praktiker dazu ermuntert werden, sich mit diesen neuartigen Gedankengängen vertraut zu machen, und sie in seine gegenwärtigen Diagnose- und Behandlungsmethoden miteinzubeziehen.

Zurück zur Eingangsseite

©Dr.Leman, GBU Hirschberg 1998

Zurück zur Eingangsseite


Wenn Sie diese Bestimmung durchführen lassen möchten oder bei Fragen anderer Art wenden Sie sich bitte telefonisch (06201-507 854), per FAX (06201-592 126) oder e-mail an Dr.Leman

GBU.Hirschberg@t-online.de

Letzte Aktualisierung: 7.August 1998