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Amalgam - Fortsetzung

©Dr.Leman, GBU Hirschberg 2002

1.2.5.Toxikologie
1.2.5.1 Quecksilber und Quecksilberverbindungen


Anorganische Quecksilber-Verbindungen (z.B. HgCl2) sind kaum flüchtig und daher nur oral eingenommen gefährlich. Diese Hg-Salze wirken ätzend auf Haut und Schleimhaut.
Organische Hg-Verbindungen (meist Phenylquecksilberoleat) sind besonders giftig und heimtückisch, da sich die Giftigkeit erst nach Wochen bemerkbar macht. Zu Vergiftungskatastrophen mit organischen Hg-Verbindungen kam es u.a. 1971/72 im Irak durch den Verzehr von mit Hg-Fungiziden behandeltem Saatgetreide (ca. 6530 Erkrankte und 259 Tote) und 1953-1969 in der Minamata- Bucht in Japan, wobei Hunderte von Menschen vergiftet wurden. Die Ursache für diese Massenvergiftung lag im Verzehr von Fischen, die mit Methylquecksilber vergiftet waren und jahrelang durch Abwässer einer Kunststoffabrik kontaminiert worden waren. 121 Personen starben, darunter 12 Kinder und 2 Neugeborene (Minamatakrankheit).
Die Erythrozyten können Quecksilber binden und zu seiner zweiwertigen Form oxidieren. Dieser Vorgang ist durch z.B. Alkohol und Aminotriazol hemmbar. Hg wird im Gastrointestinaltrakt zu ca.10% gebunden. Im Blut erscheint es zu etwa gleichen Teilen im Plasma und in den Erythrozyten, wobei es sich an Sulfhydryl-(SH-) gruppen des Hämoglobins bzw. an Plasmaproteine bindet. Eine Aufnahme toxisch wirksamer Mengen ist aber auch durch Penetration (Eindringung) in die Haut möglich. Der Aufnahmemechanismus ist noch unbekannt. Im Gegensatz zu metallischem Quecksilber kann zweiwertiges Hg die Blut-Hirn-Schranke bzw. die Plazentaschranke nicht leicht überwinden. Die höchsten Konzentrationen findet man in der Niere.

Ausscheidungsprozesse im menschlichen Körper:
Die Elimination von Hg und seinen Verbindungen kann am besten durch eine multiphasische Exponentialkurve beschrieben werden:
Auf eine schnelle Ausscheidungsphase mit einer Halbwertszeit von fünf Tagen folgt eine weitere mit einer Halbwertszeit von einem Monat und dann eine Phase mit einer Halbwertszeit von drei Monaten. Die Verweilzeit in den einzelnen Organen ist sehr unterschiedlich. Sie reicht von wenigen Tagen bis zu einigen Jahren (Gehirn:18 Jahre). Die normale Eliminationszeit im Urin beträgt 5-10 mcg/24h.

Bei Werten > 50 mcg/24h muß an eine Intoxifikation gedacht werden.

Die Biologische Halbwertszeit beträgt im "normalen" Gewebe 70 Tage und im Gehirn wegen der Blut-Hirn-Schranke 13-28 Jahre. Nur ein geringer Teil des resorbierten Hg wird über die Nieren und den Darm ausgeschieden, der größte Teil wird in den Depots der Zellen gespeichert, besonders im ZNS (Zentrales Nervensystem) oder im RES (retikuloendotheliales System = Freß- und Speicherzellen des Stoffwechsel- und Imunsystems). &Aärobe und anärobe Mundbakterien und die menschliche Darmflora verwandeln die relativ ungefährlichen anorganischen Hg-Verbindungen in hochgiftige organische Verbindungen (vor allem Methyl-Hg).

4.2.3.7.2 Toxikologie:
Zweiwertige Salze sind im allgemeinen giftiger als einwertige. Die Toxizität anorganischer Hg-Verb.en steigt mit zunehmender Löslichkeit, dennoch sind sie weniger giftig als org. Hg-Verb.en.
Akute Vergiftungen treten ab 0,2 mg Hg /100 ml Blut auf. Hg-Dämpfe ab 0,1 mg/cbm Luft während 5 h Aufenthalt rufen chronische Vergiftung hervor. Die Letaldosis beträgt 0,2 -1,0 g anorg. Salze bei einmaliger Gabe.
Die toxische Wirkung von Hg beruht auf seiner Wirkung als Zell- und Protoplasmagift : Bindung des Hg an die Sulfhydryl-(SH)-grupppen von Proteinen; eiweißfällende Wirkung; Membranschädigung; Reduktion des RNA-Gehaltes; Blockade vieler Enzymsysteme. Nieren und Nervensystem sind besonders gefährdet.
Wie beim Blei beruht die gravierendste Wirkung des Schwermetalls Hg auf einer Hemmung der Na(+)-K(+)-ATPase. Dieses Enzym regelt den osmotischen Druckausgleich in der Zelle durch aktiven Transport von Kalium- und Natriumionen, wobei es große Mengen an ATP verbraucht. Es ist verantwortlich für den hohen Kaliumgehalt von etwa 140-150 mM innerhalb der meisten Zellen gegenüber nur 4-5 mM in der Außenlösung, bzw. der geringen Natriumkonzentration von 10-15 mM innerhalb der Zellen gegenüber ca. 150 mM in der Außenlösung.
Folgende Gesamtstöchiometrie der Na(+)-K(+)-ATPase- Reaktion wurde an Erythrozyten bestimmt :

3 Na(+) (Zellinneres) + 2 K(+) (Aussen) + ATP <---[Na(+)-K(+)-ATPase]---> 3 Na(+) (Aussen) + 2 K(+) (Zellinneres) + ADP + P

(P = Phosphat)

Es werden also 3 Natrium-Ionen vom Zellinneren nach außen transportiert, dagegen nur 2 Kalium-Ionen vom Außenmedium in das Zellinnere überführt. Dabei wird ein ATP-Molekül verbraucht.
Es handelt sich bei dieser Membranpumpe also um einen elektrogenen Transport, bei dem neben dem elektrochemischen Potentialgradienten ein osmotisch wirksamer Konzentrationsunterschied an Kationen sich ausbildet . Der asymmetrische Transport des Enzyms kompensiert den durch das kolloidal gelöste Hämoglobin bedingten Wassereintrom und erlaubt damit die osmotische Regelung des Wassergehaltes in der Zelle. Dieser elektrochemische Potentialgradient ist für die elektrische Erregung der Nervenzellen verantwortlich und dient gleichzeitig als Triebkraft für sekundäre Transportprozesse, die an einen Na(+)-Gradienten gekoppelt sind, wie z.B. der Aminosaüretransport und der Glukosetransport im Darm. Die Zellen brauchen zur Aufrechterhaltung des Kalium-Natrium-Gradienten große Mengen an ATP. Aus der großen funktionellen Bedeutung der Na(+)-K(+)-ATPase wird deutlich, daß eine toxische Schädigung zu weitreichenden Folgen führen muß.

Speicherung:
Hg hat eine Affinität zu bestimmten Organen. Es reichert sich sich besonders an

  • im Epithel des Gastrointestinaltraktes
  • im Plattenepithel der Haut
  • in den Haaren
  • in Speichel und Schweißdrüsen
  • in der Schilddrüse
  • in Leber, Pankreas und Nieren
  • im Hoden und in der Prostata
  • im Gehirn (vor allem in der grauen Substanz, im Kerngebiet des Hirnstammes und in Teilen des Kleinhirns; im Großhirn insbesondere im Bereich des Lobus parietalis und im Lobus occipitalis). Hier beträgt die biologische Halbwertszeit 13 - 28 Jahre.
Die Verweilzeit in den einzelnen Organen ist sehr unterschiedlich. Die Biologische Halbwertszeit reicht von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten. Die bei weitem längste Biologische Halbwertszeit haben Schwermetalle wie Hg im Gehirn mit 13 - 28 Jahren. Der Grund für die lange Verweilzeit ist hier die sog. "Blut-Hirn-Schranke", der spezielle Zelltypus des Gehirns, der fast vollständig undurchlässig für hydrophile Fremdstoff-Moleküle ist. Die Hg-Kationen gelangen zwar in das Gehirn, werden dort aber an Eiweiß gebunden und können nicht mehr hinaus gelangen. Einmal in das reine Nervenzellmedium des Gehirns gelangt, kann das Hg wie oben beschrieben die elektrische Erregung der Nervenzellen durch Hemmung der Na(+)K(+)-ATPase stark irritieren.

Eine Herausleitung der Schwermetalle aus dem Gehirn durch eine entsprechende Entgiftungs-Therapie ist außerordentlich schwierig und bildet das eigentliche Problem der Amalgamvergiftung.

Eine gute Möglichkeit zur Entgiftung gewährleistet hier eine Therapie mit sog. Antioxidantien. Diese gelangen aber nicht in das Gehirn, sondern durch den Entgiftungsprozess in den antidot-zugänglichen Körperzellen entsteht ein so starker Konzentrationsgradient zwischen den vergifteten Gehirn-Zellen und den durch die Antioxidantien entgifteten übrigen Zellen des Körpers, daß die Blut-Hirn-Schranke überwunden werden kann und Hg-Ionen aus dem Gehirn heraus diffundieren können.

Als weitere stark schädigungsfähige Organe folgen Nieren und Hoden sowie das RES.

Die mögliche natürliche Ausscheidung von Schwermetallen und insbesondere Hg erfolgt bei Organen und den übrigen Körperzellen -außer den Gehirnzellen- über Stuhl, Speichel, Urin, Tränen und Schweiß.

Die normale Ausscheidungsrate von Hg über den Urin beträgt 5-10 mcg/24h. Bei >50 mcg/24h muß an eine Intoxifikation gedacht werden.

Biologische Halbwertszeit (ohne Antidotbehandlung):

Gehirn                             13 - 28 Jahre (mit Antidotbehandlung 6 Monate)
Uebriges Gewebe                    bis 70 Tage
Blut                               ca. 90 Tage

Nur ein Teil des resorbierten Quecksilbers wird über Harn und Nieren ausgeschieden, der Rest geht in Depots, von denen das ZNS und das RES klinisch besonders relevant sind. Für die Hg-Depotbildungen an Zahnwurzeln und Kieferknochen sind nach Teherani und Till [30] die Liegedauer und Gewohnheiten des Patienten verantwortlich.

Depotbildungen:
Hg löst sich ständig in kleinsten Mengen durch Amalgamflickarbeiten und Kaubewegungen heraus. Diese Hg wird durch die Zahneigenbewegung in der Alveole des Zahnes bis an die Zahnwurzel und auch in das umgebende Knochengewebe hinaufgeschüttelt und reichert sich vorerst dort an. Das Hg ist in diesem Stadium der Depotbildung an Zahnwurzeln und Kieferknochen durch Blut- oder Harntests nicht nachweisbar - oder nur unter ganz bestimmten Vorausetzungen.

Depotbildungen werden erhöht bei:

  • starkem Kauen,
  • Parafunktion,
  • heißen und sauren Speisen,
  • Vergröserung der Amalgamfüllungen

Weiterhin gelangt das Hg dann aus diesen Depots entlang von Nervenbahnen in das Gehirn und reichert sich dort an. Hieraus wird auch das ZNS in Mitleidenschaft gezogen. Schließlich gelangt das Hg über den Hirnstamm in das Rückenmark und dann in das periphere Nervensystem, was evt. Schädigungen an Gelenken, Gefäß-Systemen und Engiftungsorganen bewirken kann. In diesem letzten Stadium ähnelt das Krankheitsbild einer chronischen Hg-Vergiftung.

Das Bild der chronischen Quecksilbervergiftung tritt erst nach einem sehr langen Zeitraum auf und ist schwer erkennbar, da die Erkrankung nur allmählich oder oft unbemerkt schleichend auftritt und nur im frühen Stadium zeitweise schmerzerzeugend ist.
Ein möglicherweise unternommener Blut- oder Harntest mit niedrigen Werten an Hg oder anderen Schwermetallen ist kein Beweis für eine nicht vorhandene Belastung ! Er beweist lediglich, daß chronisch aufgenommene Schwermetalle nicht frei im Köper zirkulieren, sondern in zellulären Strukturen gebunden vorliegen. Erst durch starke metabolische Belastung (Sport, schwere Arbeit, Hungern/Fasten) oder einen sog. Mobilisationstest mit z.B. DMPS (2,3-Dimercaptopropyl-1-sulfonat) werden Schwermetalle in größeren Mengen aus den Depots freigesetzt und einer nun vorgenommenen Messung in Harn oder Blut zugänglich, die eher einen Hinweis auf eine Vergiftung liefert.

Die Depotbildung läßt sich nach unserer Erfahrung nicht zuverlässig über Elektroakkupunktur-Störfelddiagnostik, Terminalpunktdiagnostik oder andere alternative Verfahren nachweisen. Hg-Depots sind auch röntgenologisch unsichtbar.

Weitere Wirkungen des Quecksilbers:

  • Absenkung der T-Lymphozyten
  • Hemmung der DNA-Synthese bei geringsten Mengen (10 h(-5) - 10 h(-6) g/kg KG)
  • Wirkung organischer Hg-Verbindungen auf das Nervensystem durch sog. "Neuritentransport" (Hansen 1982) [31] zum ZNS, der mittlerweile auch für Blei, Thallium und einige Viren nachgewiesen wurde.
Toxizität:
  • abhängig vom Aggregatzustand und und Verteilungsgrad des Hg
  • zweiwertiges Hg ist toxischer als einwertiges
  • Toxizität steigt mit zunehmender Löslichkeit der Hg-Verbindungen
  • organische Hg-Verbindungen sind wesentlich toxischer als anorganische
  • selbst nach Entfernung der Amalgamfüllungen können die Vergiftungssymptome außerordentlich lange persistieren. Eine Mobilisation durch Antidotentherapie ist dringend erforderlich
  • sog. Okklusalfüllungen (großflächige Füllungen) sind gefährlicher als tiefe enge Füllungen
  • eine große Amalgamfüllung führt zu Urinwerten mit ca. 40 mcg Hg/L im Urin
Urinwerte:
 1 Amalgamfuellung (ohne Mobilisation)               40    mcg Hg/L
10 Amalgamfuellungen                                400
nach Mobilisation durch DMPS               bis zu 42000

Teratogenität:
Die häufigsten Mißbildungen durch Quecksilber beim Menschen sind Enzephalozele bzw. Hydrozephalus. Für das gestillte Kind stellt die Muttermilch der belasteten Mutter auch eine Gefahr dar. Dabei stützen sich die meisten Beobachtungen über die Hg-Toxizität an menschlichen Feten auf Vergiftungsfälle in der Minamata-Bucht oder im Irak.
"Bei den Nachkommen der Überlebenden von Minamata fand sich fast durchweg eine verminderte Auffassungsgabe, Veränderungen im emotionalen Verhalten, erniedrigter IQ. Es wurde über 8 Fälle von Idiotie berichtet. Die Patienten wiesen kleine, symmetrisch atrophische Gehirne mit 2/3 reduziertem Gewicht, ausgedehnte Schäden an Neuronenzellen im Cerebrum, Cerebellum und Brüche in der normalen Zellarchitektur auf.
Die Neugeborenen zeigten nach normaler Geburt Lethargie, verspätete Bewegungen, Reizschwellenerhöhung und unkoordiniertes Saugen und Schlucken, z.T. Krämpfe. Viele Kinder blieben im Wachstum zurück. Bei allen waren neurologische Störungen nachweisbar." [9, III-3, S. 9]

Anmerkungen und Erfahrungen:

  • Gamma-2-freie Amalgame führen ebenso zu Vergiftungen. Ein Unterschied in der Toxizität konnte nicht festgestellt werden.
  • neurologische Störungen treten erfahrungsgemäß ab 50 mcg/L Hg im Urin auf
  • ab 10 Füllungen treten in der Regel quälende Beschwerden auf
  • organische Hg-Verbindungen haben die Fähigkeit, die Blut-HirnSchranke zu überwinden und auf das ZNS einzuwirken
  • Die Hg-Konzentration in den Haaren gibt keine Auskunft über das Maß der chronischen Vergiftung des ZNS. Haaranalysen geben Auskunft über andere, lange zurückliegende größere Schwermetallaufnahmen.
  • Hg wirkt teratogen, mutagen und embryotoxisch
  • Selen wirkt antagonistisch gegenüber Hg und verzögert das Auftreten von Hg-Vergiftungssymptomen. Dennoch ist ein Schutz durch Selen sehr fraglich, da Fische, die die Minamatakrankheit hervorriefen neben hohen Hg-Werten auch viel Selen enthielten. [32], [33].
  • > 50 mcg/L Hg im Urin erzeugt in jedem Fall neurasthenische Symptome
1.2.5.2. Symptome
Allgemeines:
Die chronischen Vergiftungssymptome beginnen schleichend. Frühsymptome sind Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme, Mattigkeit, Kopfdruck, Gliederschmerzen, Neigung zu Durchfällen und vermehrter Speichelfluß.

Die unspezifischen Allgemeinsymptome können wochen-, monate- oder jahrelang bestehen, bevor weitere Vergiftungserscheinungen hinzukommen.

Frühzeitig, jedoch nur bei massiver Exposition und schlechter Mundhygiene treten auf:

  • Metallischer Geschmack und brennende Schmerzen im Mund; Entzündung des Zahnfleisches mit geschwollenen blutigen Rändern ; Lockerung der Zähne, Halsschmerzen und trockener Mund oder Speichelfluß sowie eine lackfarbene Rötung des Racheneingangs.
  • Erethismus ist eine psychische Veränderung mit Stimmungslabilität, Schreckhaftigkeit, ängstliche Befangenheit, Verlust des Selbstvertrauens, Beeinträchtigung der Merkfähigkeit, Depression und Menschenscheu gepaart mit Reizbarkeit, Aggressivität, Verlust der Selbstkontrolle und Neigung zu Wut- und Tobsuchtsanfällen bei geringsten Anlässen. In schweren Fällen auch Delirien und Halluzinationen.
  • Besonders stark betroffen sind nervöse Menschen, die auf Nervengifte besonders stark reagieren und Menschen mit Neigung zu vasoaktiven (gefäßsensiblen) Kopfschmerzen.
Der Quecksilbertremor ist ein feinschlägiger Intentionstremor, wird also durch beabsichtigte Bewegungen verstärkt. In den Anfangsstadien lediglich feinschlägiges Zittern der Finger, der geschlossenen Augenlieder und der herausgestreckten Zunge. Er verläuft wellenförmig, steigert sich bei Aufregung und ebbt nach ein bis zweieinhalb Minuten wieder ab. Bei ausgeprägteren Formen wird das Zittern jeweils nach einigen Minuten durch ausfahrende Schüttelbewegungen unterbrochen.
Aufällig ist die Zitterschrift der Quecksilberkranken. Die Sprache ist stotternd und verwaschen.

Die voll entwickelte Form der chronischen Hg-Vergiftung tritt heute kaum noch auf. Häufiger wird ein asthenisch-vegetatives Syndrom beobachtet mit

  • Hypertonie
  • Dermographismus ("Hautschrift", Erscheinen weißer oder roter Streifen oder Striemen auf der Haut nach Bestreichen mit einem harten Gegenstand)
  • Gingivitis (Zahnfleischentzündung)
  • Schilddrüsenvergrößerung
  • Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhaut)
  • Muskelschwäche
  • Verminderung der T-Lymphozyten-Zahl im Blut[34]
M. Daunderer: "Der Hg-Vergiftete wird ängstlich und menschenscheu, er imponiert Laien als psychosomatisch krank, er begibt sich nicht spontan in ärztliche Behandlung, wenn er nicht von außen auf die Behandlungsmöglichkeiten hingewiesen wurde. Dies unterstreicht die Heimtücke dieser Vergiftung." [9,III-3, 10]

Zusammengefaßte Symptomatik der chronischen Quecksilbervergiftung (Leitsymptome Großbuchstaben):

ALLERGIE                                   Metallgeschmack
Allgemeine Schwaeche                       Mund-, Rachen-, Magenschmerzen
Asthma                                     Mundschleimhaut kupferfarben
Aussprache verwaschen                      Mundzuckungen
Aufbrausen                                 Nasennebenhoehlenentzuendung, eitrige
BAUCHSCHMERZEN                             Nervositaet
Blutarmut, hypochrome                      Nierenschaeden
Blauvioletter Saum an den Zahnhaelsen      Psychose
Blutdruck, niedriger                       Reizbarkeit
Bronchitis                                 Schildruesenueberfunktion
Depression                                 Schlaflosigkeit
Durchfaelle (Colitis=Dickdarmentzuendung)  Schnupfen, hartnaeckiger
Empfindungsstoerungen                      SCHWINDEL
ENERGIELOSIGKEIT                           Schreckhaftigkeit
Epilepsie                                  Schuechternheit
Ermuedung                                  Sehstoerungen
Froesteln                                  Speichelfluss
Gehetztes Tempo                            Sprechen, stammelnd
Gelenkschmerzen                            Stimmungslabilitaet
Gewichtverlust                             Tetanie = neuromuskulaere Erregbarkeit
                                           (Hyperventilations -)
Haarausfall                                Trigeminusneuralgie
Hautekzem                                  Unentschlossenheit
Herzrythmusstoerungen                      Wahnvorstellungen
Infektanfaelligkeit                        Zahnfleischentzuendungen
KOPFSCHMERZEN (MIGRAENE)                   Zittern, feine
Leberschaeden                                - an Augenliedern
Lungenentzuendung                            - an der Zunge
Menschenscheu                                - verstaerkt bei beabsichtigter Bewegung
Merkfaehigkeit reduziert                   Zitterschrift



Symptomatik der einzelnen Metalle im Amalgam:
Die Metalle im Amalgam potenzieren sich gegenseitig in ihrer Wirkung (Synergismus). Im einzelnen werden ihnen klinisch folgende Symptome zugeordnet:

  • Quecksilber: Antriebslosigkeit, Kopfschmerzen, Magen-Darmbeschwerden, Schwindel, Zittern, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, Muskelschwäche, Rückenschmewrzen, Allergie, Nervosität, Apathie wechselnd mit Gereiztheit, Depression, Ataxie, Lähmungen, Pelzigkeitsgefühle, Hör- und Sehstörungen, Infektanfälligkeit, Herzrhythmusstörungen, Anämie
  • Zinn: zunehmende Schwäche, Antriebsl,osigkeit, Neuralgien, Schmerzempfindlichkeit, Lähmungen, auf- und abschwellende Schmerzen im Magen- und Darmbereich, Kopfschmerzen, Heiserkeit, Husten, Kälte und Wetterempfindlichkeit, Blässe
  • Silber: Angst, Vergeßlichkeit, Denkstörungen, Gehirnerweichung, Kopfschmerzen, Schwindel, Mühe sich zu belasten, geistige Schwäche, Muskel-, Bänder- und Gelenkschwäche, Knorpelzunahme, Rückenschmerzen, Rheumatismus
  • Kupfer: klon. Krämpfe, Koliken, Sehstörungen, Atembeschwerden, Pelzigkeitsgefühle, Parästhesien, starkes Zittern, Schwäche, Analkrampf, Verstopfung, Zähneknirschen, Allergie, Leberschädigung
Allergien auf Metalle:
Allergien auf sog. Zahnmetalle sind in den seltensten Fällen Sofort-Typ-Allergien wie z.B. die Pollen-Allergien. Sog. alternative Verfahren wie die EAV sind völlig ungeeignet, um eine Amalgam- oder Metallallergie nachzuweisen oder auszuschließen. Meist liegen zellvermittelte Allergie-Typen vor, die nur mit aufwendigen Labor-Tests (LTT) nachzuweisen sind. Dennoch sollte auch die Serum-Untersuchung (RAST) nicht vergessen werden. Mit Eiweißen reagieren die Hg-Verbindungen als Haptene zu Vollantigenen, so daß hieraus Sensibilisierungen durch die Induktion von Antikörpern entstehen können. Mögliche allergische Reaktionen sind:
  • Ekzeme im Gesicht oder an den Beugeflächen der Extremitäten
  • Urtikaria (Nesselsucht)
  • Mundtrockenheit
  • Unwohlsein
  • geschwollene Lippen
  • erhöhte Temperatur
  • Glossitis (Zungenentzündung)
  • Gingivitis (Zahnfleischentzündung)
Eine mögliche Alternative zu Amalgamen scheint auch bei Allergikern nur hochwertiges Goldmaterial (>22 Karat) zu sein. Allerdings soll auch hier die Häufigkeit der Allergien bei 16 % liegen.

Spätfolgen:

  • männliche und weibliche Unfruchtbarkeit
  • kindliche Mißbildungen, [35], [36]
  • ein Zusammenhang zwischen der Resorption von Amalgamen und der Erstmanifestation der Multiplen Sklerose (MS) wird seit langem diskutiert. Zumindest besteht die theoretische Möglichkeit, dass Hg zur Zerstörung der Myelinscheiben führen kann. Erfahrungen von Ärzten mit ihren Patienten zeigen,daß sich an MS Erkrankte nach der Entfernung des Amalgams und nach einer DMPS-Therapie besser fühlen [9].

Grenzwerte: Hg in Nahrungsmitteln

USA                     0,05 ppm
BRD                     0,10 ppm

Trinkwasser:            WHO-Wert (1975):  1 mcg/L

MAK-Wert:                          0,10 mg/kg (0,01 ppm)
                        Hg-Dampf:  0,05 mg/cbm

Geruchsschwelle:        13 mg/cbm

Differentialdiagnose:
  • Ohne DMPS-Mobilisationstest außerordentlich schwierig. Die Anfangssymptome sind uncharakteristisch und gleichen denen einer Neurasthenie durch andere Gifte wie z.B. Holzgifte.
  • Die für die Quecksilbervergiftung charakteristische Salivation (Speichelfluß) kann vollständig fehlen.
  • Beim asthenisch-vegetativen Syndrom gilt die Apathie und emotionale Labilität als typisch für Hg.
  • Der Erethismus mercuralis (s.o. ) ist abzugrenzen gegen Hysterie und Neurasthenie.
  • Der Hg-Tremor ist anfänglich nicht zu unterscheiden vom Zittern der alten Menschen, der Alkoholiker, und der Basedowkranken. In allen Fällen geht das Zittern aber nicht auf den gesamten Körper über.
  • Eine MS ist schwer abgrenzbar.
  • Amalgamträger sind eher sensibilisiert auf andere Umweltgifte und daher besonders empfindlich. Die anderen Metalle des Amalgams (Zink, Kupfer) potenzieren sich in ihrer Wirkung.

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