Leben
Johann Gottfried August Lehmann' s
Pastoris zu Deetz, Badewitz und Nedlitz
Durch die Gnade Gottes und meines Durchlauchtigsten Landes- Fürsten und Herrn, wurde ich im Jahre 1763 zum Frühpredigeramte bei der Hochfürstl. Schlosskirche und der St. Bartholomäus- Kirche in Zerbst berufen. Mein Vorfahre hatte bei seiner Ein Hundert Thaler Besoldung noch 8 Schoffel Rocken und einen halben Platz Holz zur Zulage .
Sobald ich mein Amt antrat, wurde mir das Holz und Korn abgenommen und nach meinem Abschiede ist es meinen Nachfolgern wieder zugelegt . Ich musste also von Ein Hundert Thaler Besoldung Miethe bezahlen Holz kaufen, Brod kaufen , eine Magd lohnen, mich kleiden und erhalten.
Im Jahre 1764 verheiratete ich mich mit des seel. Hochfürstl.Consistorial Assessors Chemnitzes ältesten Tochter /
und ich gestehe in Demuth meiner Seele die Thorheit meiner Jugend !/
blos aus Liebe, denn an zeitlichen Vermögen ist mir bisz auf den heutigen Tag nichts geworden. Meine Ehe war glücklich, auch oft bei Waszer und Brod, weil wir einander liebten, aber nur glücklich auf drei Viertel Jahr.
Meine seelige Chemnitzin sahe sich auf einmal in dem traurigsten Zustand denn der Krebs an der Brust verursachte ihr beinahe ein ganzes Jahr lang unaussprechliche Schmerzen und zuletzt den Tod. Was in der Welt möglich war, sie zu retten, that ich . Zwei Medicos in Zerbst und zwei Chirurgen, einen Medicum in Cöthen, zwei Chirurgen in Dessau habe ich ein ganzes Jahr lang, wiewohl ohne Nutzen gebraucht, und darüber gerieth ich in einige Hundert Thaler Schulden .
Im Jahre 1766 wurde ich durch die Gnade meines Gnädigsten und Preisswürdigsten Landesherrn als Pastor zu Deetz, Badewitz und Nedlitz bestellt. Sollten mich diejenigen, denen ich schuldig war, in Friede ziehen lassen, so muste ich 50 für Dreiszig schreiben und dreimal jüdischen Profit versprechen ; und so wurden aus etlichen Hundert Rthl.beinahe 400 Schulden, die ich mit nach Deetz nahm . Eine weitläufige und ganz ungewohnte Wirtschaft, die ich nun anzufangen, und ein noch nicht zweijähriges Kind, das ich zu erziehen hatte, nöthigten mich zu einer zwoten Ehe. Sie gerieth Gott sei Dank dafür ! Davon gab ich der abgehenden Witwe an Meliorationskosten und Ernde 340 Thaler baar . 200 Thaler nahm ich mit nach Zerbst, zu Bezahlung der notwendigsten Schulden. Von dem übrigen knaufte ich vier Pferde, einen Schiefwagen, Blockwagon. Eggen ,Pflüge, Harken, Schippen, Ein Spann Ochsen, Stränge, Leinen, Futterlade, Futterklingen, Stroh, Futterkorn, Brodkorn, von Ostern bisz zur Ernde, und was sonst an Lebensmitteln unentbehrlich war. Als die Ernde kam, war soviel gewonnen, als zur Nothdurft in der Pfarre gebraucht wurde. Und als ich 60 und etliche Thaler Gesinde Lohn ausgezahlt hatte, war nicht mehr übrig. Baare Besoldung ist bei der Pfarre zu Deetz nicht, Ich musste also mein ganzes Haus das Jahr hindurch mit denen Accidentien aufhalten, die groschenweise einkommen und sich kaum auf 50 Thaler belaufen.
Ich sahe es also ein, dasz ich mich ganz ausserordentlich einschränken müsse, wenn ich ehrlich fortkommen und meinen Gläubigern wenigstens jährlich 50 Thaler abzahlen wollte . Mein Herz war redlich, darum that ich es und schränkte mich ganz besonders ein. Alle meine drei Gemeinen müszen es bezeugen, dasz in meiner Zeit in der Pfarre nie gesauset, nie geschmauset worden ; dasz ich das einsamste leben geführt, dasz ich mich um nichts bekümmert, als um meinen Gottesdienst und um meine häuslichen Geschäfte und dasz mich meine Gemeinen herzlich geliebt. Davon kann ich das unterschriebene und besiegelte Attestat von meinen 3 Gemeinen in Unterthänigkeit vorlegen . In dieser Verfassung überreichte ich 1768 an Hochfürstl. Consistorium, ein unterthänigstes Supplicat, in welchem ich meinen Gnädigsten Durchlauchtigsten Landes Fürsten fuszfälligst bat : Dasz Höchst Dieselben doch in Gnaden geruhen möchten, den Gnädigen und landesherlichen Ausspruch zu thun, dasz Hochfürstl. Consistorium jährlich auf einen gewiszen Tag, von mir 50 Thaler zu successiver Bezahlung meiner Gläubiger annehmen möchte weil sonst wenn die ganze Summe in einem Einzigen Jahre gefordert werden sollte meine ganze Wirtschaft über den Haufen geworfen worden würde.
Hierauf wurde mir ein gnädigstes Rescript vom 21.April 1768 publiciert, des Inhalts :
"Dasz Serenissimus auf mein unterthänigstes Supplicat gnädigst befohlen, in einer Tagefahrt zu versuchen, ob Supplicanten nicht die Creditores auf die angebothene Zeiten, Nachsicht geben wollen ."
Die Tagefahrt wurde den 2.Juni 1768 angesetzt. Es erschien nicht ein Einziger meiner Gläubiger. Es blieb bei dem Alten. Kaum und noch nicht einmahl war der Herbst da. Da nahm mir der Stadtsyndicus Bülau Pferde und Wagen und ich musste ihm für 126 Rthl. 200 weniger etliche Thaler bezahlen, welches ich aus seinen eigenhändigen Original Quittungen erweisen kann .
Acht Tage hernach nahm der Burgermeister Warneyer mein Spann Ochsen nebst dem Pflug, und musste ihm für 55 Rthl. 67 Rthl.13 Gr. zahlen, wie dessen Quittungon ausweisen . Noch hatte ich 4 Wispel Saatkorn auf dem Boden.
Da aber das Geld für Pferde und Wagen noch nicht ausreichte, dem Syndicus Bülau ein Gnüge zu thun, so muszten meine Saatkörner auch her und muste ihm also in einem halben Jahr 146 Rthl. abzahlen und 50 blieben dennoch Rest, wie deszen eigenhändige Quittungen ausweisen. Ehe ich so zu sagen frische Luft Schöpfen konnte, kam der Advokat Weber mit 20 und der Burgemeister Warneyer mit 80 Thaler, und diese musten laut der Executions- Anordnung binnen 6 Wochen und 3 Tagen bezahlt sein. Da musten also meiner armen Frau ihre Paar Kleider, ihre Paar Ringe, ihre Halskette und was ihr lieb war, heraus , und jedem hingezahlt, der es mit Gewalt forderte .
Gott aber bewiesz sich als ein allmächtigter Gott. Er erhielt mich und die meinen. Er gab Gnade, dasz ich wieder Gespann anschaffen konnte und ich und die meinigen darbeten es uns am Leibe ab ( Gott ist Zeuge ! und rechtschafne Männer sind es, die ich hierinne zu Zeuge habe, zum Exempel der Herr Amtsschreiber Schmidt in Lindau ) dasz wir die Wirtschaft wieder in Ordnung brachten. Dabei hatten sich meine Schulden wieder bisz auf Vier Hundert und etliche Thaler aufgesammelt, nicht etwa, wie mir verläumderische Zungen schuld gegeben, um einer liederlichen Lebensart halber sondern darum :
Das Dorf Deetz, als ich in die Pfarre eingesetzt wurde, war in dem elendesten Zustande. Es hatte weder Gespann noch Dünger, denn dreimal nach einander war ihr Vieh ausgestorben. Es hatte keine Saat, denn dreimal nach einander waren ihre Felder verhagelt. Es lagen also ganze Feld- Marken wüste und unbesäet. Davon kriegte ich keine Besoldungen, keinen Zehend. Drei Jahre nach einander kam die grosze Näsze . Das Jahr darauf die Mäuse. Im folgenden Jahr die grosze Teuerung, darüber die Ackerleute in solchen kläglichen Zuntand gesetzt wurden, dasz der Bauer, der 4 Wispel über Winter säen wollte, kaum Einen und der 2 bisz 3 Wispel im Sommerfelde säen sollte, kaum 2 oder 3 Scheffel säete; so dasz ich 3 Jahre nach einander an statt 8 bisz 10 Wispel Rocken Zehend kaum 2 Wispel, und an statt 8 bis 9 Wispel Hafer Zehend, höchstens 18 bisz 19 Scheffel erhalten können ; und ist seit Zehen Jahren, in diesem Jahre die erste Ernde gewesen, von der man Gott zum Preise sagen kann, dasz sie gut gewesen .
Dis alles beweiset der Inhalt meiner angeschlossenen Predigt zur Gnüge . Denn ich habe sie im Angesichte der ganzen Welt drucken laszen und man würde ihr stark gnug wiedersprochen haben, wenn nicht alles was sie enthält, pure lautere und öffentliche bekannte Wahrheiten wären.
Aber eben diese Predigt hat wahrscheinlicher Weise mein gegenwärtiges trauriges Schicksal veranlaszt. Kein Einziger, als ich armer Dorfprediger hatte es für seine Schuldigkeit gehalten, ein öffentliches Denkmal seiner allerunterthänigsten Dankbarkeit zu stiften. Der Neid freuete sich auf den Verweis, oder wohl gar auf die Ungnade, die ich mir bei meinem Durchlauchtigsten Landes Fürsten zuziehen würde. Aber mein Durchlauchtigster und ewig Verehrungswürdigster Landesvater hatten die hohe Gnade für mich und meine armselige Schrift und befohlen in einem gnädigsten Rescript, dasz mir dafür ein Douceur gegeben werden sollte und ich erhielt 5 Thaler aus Hochfürstlichem Stifte, gegen unterthänig dankende Quittung .
Da horchte der Neid, ob vielleicht die Glorreiche Monarchie aller Reuszen meine Predigt als eine nichtswürdige Kleinigkeit verwerfen würde. Aber alle öffentlichen Nachrichten redeten von den zärtlichen und gnädigen Ausdrücken, mit welchen mich der Kaiserliche Resident zu Hamburg, der Herr von Gross, von der allergnädigsten Aufnahme meiner geringen Arbeit zu versichern geruheten. Da dachte der Neid : So soll do.. diese Predigt unterdrückt worden, dasz die Rechtschaffensten, Erleuchtesten und Einsichtvollsten Männer dieses Landes selbige nicht sehen, und ihr Beifall schenken. Denn als ich zu der Zeit 6 Stück gebundene und versiegelte Exemplare mit der Aufschrift und mit der Bitte eingab : selbige an den zu der Zeit Herrn Obrist -Lieutenant von Stangen Hochwohlgeb. durch den damals gnädigst verordneten Weg, nach Koszwig zu übersenden, um mich Hochdeszselben Gnade in Unterthänigkeit zu empfehlen; so wurde,- mir zu meiner groszen Verwunderung nach einem Viertel Jahre, da meine Predigt schon was altes war, selbiges wieder zurückgegeben, mit der Versicherung, es sei wohlbedächtig vergessen worden . Da aber meine Predigt gleichwohl in alle Gesellschaften hindrunge, so ruhete ein neidischer Feind nicht, bis er es dahin brachte, dasz ich gar nicht predigen durfte, damit durch solch öffentliche Beschimpfung mein voriges Lob niedergeschlagen und zerstreuet würde. Ich wurde bei meinem Durchlauchtigsten und gnädgsten Landes Fürsten auf eine unerhörte Weise angeschwärzt. Denn gleich ein Jahr darauf wurde mir vom hochfürst. Consistorio ein gnädigstes Rescript publicirt, des Inhaltes :
"Hochfürstl. Consistorium solle Pastor Lehmann's Conduite untersuchen und sie ahnden ."
Hierauf wurde ich von meiner verehrungswürdigen Obrigkeit befragt: ob ich was strafbares an mir wüste ?
- Ich bat in Unterthänigkeit, dass Hochdieselben die Gnade haben, und mir anzeigen möchten, was vielleicht meinem gnädigsten LandesFürsten und Herrn miszfällig an mir wäre, da ich mir selbst nichts bewusst wäre. Ich erhielt die Gnädige Antwort : ich solle mich selbst prüfen, sie wüsten von mir nichts .
Ich ging also fröhlich vor dem Angesichte meiner hohen Obrigkeit und fühlte den Trost eines guten Gewiszens . Aber die Ruhe meines Gemütes war nicht von langer Dauer. Nicht ob.. lange darauf wurde mir von Hochfürstlichem Consistorio ein anderes gnädigst Rescript vorgelesen , des Inhalts : da Serenissimus höchst miszfällig erfahren, dasz des Pastors Lehmanns Wirtschaft zu Deetz liederlich und die Aecker unbesäet liegen; so solle Hochfürstliches Consistorium deszen Wirtschaft regulieren und ihn zu Bezahlung seiner Schulden ernstlich anhalten.
So kränekend es für mich war, dasz ich mich bei meinem gnädigsten Landesfürsten und Herrn als einen liederlichen Wirth angeschwärzt sahe, ebenso verehrungswürdig war mir der gnädige Befehl meines Durchlauchtigsten Landesvaters, indem derselbe auf meine und meiner Kinder Wohlfahrt abziehlte, eben so verehrungswürdig war mir die Gerechtigkeitvolle Gnade meines preisztwürdigsten Landes Regenten, die da wollte, dasz ein Jeder das Seinige haben sollte. Und ich unterwarf mich in submissester Ehrfurcht und in lebendiger Dankbarkeit meines Herzens gegen meinen Durchlauchtigsten Landes Fürsten und Herrn, nachstehendem Regulatif eines Hochpriesterlichen Consistoriums :
1. Wurde mir um Ostern 1776 gnädig anbefohlen: ich sollte mein Sommerfeld bestellen. Ich, der ich als ein Wirth ohne Gespann , ohne Dünger,ohne Einrichtung angegeben war, that dis mit meinem Gespann,ohne Hülfe anderer, auf meine Kosten und in bester Ordnung und mit Seegen .
2. Wurde ich befragt, ob ich das ganze Winterfeld besäet hätte ? Darauf antwortete ich in Unterthänigkeit : "Soviel als das oben beschriebene Elend in Deetz zugelaszen hat. Kein einziger Bauer in meiner Gemeine hat sein ganzes Feld bestellt.Es liegen 2 Feld - Marken wüste, wo mehr als 200 Wispel Aussaat hinfallen, und wo mannshohe Rehheide gewachsen ist. Eine hohe Kommission besahe es, fand es also und dabei ists geblieben : ich aber bin nicht befragt worden, wo ich indeszen Zehend oder Besoldung bekommen, da auf den Zehendbaren Aeckern Rehheide gewachsen ist .
3. Wurde mir ernstlich anbefohlen, dasz ich mich um mein Predigtamt unterdessen gar nich bekümmern sollte. Candidaten sollten es versehen und ich , der ich als Wirth ohne Gespann angegeben war, sollte diese Candidaten mit meinen Pferden zu allen Amtsverrichtungen einholen und wegbringen laszen und dazu auch mein Feld bestellen. Dis that ich drei Viertel Jahr lang und lies mit meinen armen Pferden auf eine ganz erbarmungswürdige Weise umgehen. Aber die beiden Pferde, die dazu gebraucht worden, habe ich in dem abgeflossenen Frühjahr ausspannen laszen und das am Leibe abgedarbete Geld, das ich an Schuhe und Bedeckung für meine 8 Arme und unmündige Kinder hätte wenden sollen, habe ich wieder an neue Pferde verwenden müssen, die ich bei der Wirtschaft nicht entbehren kann.
Nachdem ich diese gnädige Verordnungen erhalten, verging ein ganzes Jahr und vier Monathe, ehe ich hörte, dasz sich weiter jemand um mich bekümmerte. Ich säete,ich erndtete, ich wirthschaftete ohne alle Beihülfe ; aber in dem Hause Gottes ging es auf eine ganz erbarmungswürdige Weise zu, indem kein Hirte da war, der sich um die Gemeinde Gottes und meines Gnädigsten Landen Fürsten und Herrn aufrichtig bekümmerte und davon ich Beweise anführen könnte, die Erstaunen und Entsetzen verursachen würden.
Meine Gläubiger in Zerbst, die mich von der Zeit her, da ich ihr Lehrer und Prediger gewesen war, liebten, sahen meine Leiden. Sie kannten mein redlich Herze, Sie hatten Mitleiden mit meinem Zustande. Sie überreichten daher einmütiglich und mit ihren Händen unterschrieben am 4. März 1777 nachstehende Erklärung unterthänigst an ein Hochpriesterliches Consistorium:
Wir Endes benannten bezeugen hiermit, dasz es unsere Absicht eben nicht sei, dasz es mit Herrn Pastor Lehmanns Kreditwesen zum Konkurs kommen möge. Vielmehr wünschen wir , dasz, da wir uns in Güte mit ihm gesetzez derselbe ein Amt und seine Wirtschaft wieder antreten möge, weil wir glauben, dasz er dadurch in den Stand gesetzt werden wird, unsere Forderungen seinem Versprechen gemässz durch die zur Bezahlung seiner Gläubiger jährlich auszusetzenden 80 Rthl. von seinen Einkünften, desto eher ein Gnüge zu leisten. Wir wollen uns also wegen unserer Forderungen lediglich an ihn halten, und im Falle die verglichenen 80 Rthl. jährlich zur gesetzten Zeit, als die erste Adventswoche jeden Jahres nicht richtig abgetragen wi.. wollen wir in unser voriges Recht zurücktreten. Zerbst den 4. März 1777. "
Im Monat Jul. wurden auf diese unterhänige Erklärung meine Creditores und ich vor Hochfürstl. Consistorium geladen . Alle blieben bei der Erklärung, die sie schriftlich gethan hatten und stipulierten, so wie ich, in Ansehung meines Versprechens . Ich stipulierte thätig und trat zu gleicher Zeit an den Herrn Amtsschreiber Schmidt zu Lindau, der mit gegenwärtig war, das ganze Dorf Badewitz an allen rauhen Zehend, an allen reinen Zehend und 22 Rthl. baarem Gelde ab . Derselbe hat alles an sich genommen, zu Gelde gemacht und an die Gläubiger ausgezahlt, oder wird es in kurzem auszahlen, denn ich habe gar nicht darnach fragen wollen.
Mit meinen Schuldnern bin ich also völlig auseinander. Mein Viehstand ist in gutem Stande, meine Felder sind richtig und vorzüglich besäet. Alle wüsten Gegenden um die Pfarre her, alle Moräste, alle Sümpfe sind durch meine Mühe und Kosten in die nützlichsten Küchengärten verwandelt. Was ich alles durch die glaubwürdigsten Zeugen erweisen kann. Gleichwohl bleibe ich immer noch dispensiert von meinem Amte: Meine armen Gemeinen gehen in der Irre. Sie verliehren endlich Hochachtung und Liebe, da ich nun fast 2 Jahr unter ihnen müszig wohne und doch von ihnen besoldet werden musz. Die Kranken sterben ohne Trost und ich verliere das Accidenz. Die Jugend verwildert. Der Beichtstuhl wird selten geöffnet. Und ach, dasz ich erzehlen dürfte, was ich dabei habe leiden und verliehren müszen. Indeszen harre ich und bin stille und sehe dem mit Tränen im Auge und mit heiszer Sehnsucht entgegen, der als Richter der Welt zum Trost aller Leidenden Offenb.22.7.sprach :
Siehe, ich komme bald !
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